BILDUNGSKOMMISSION
Warum Lehrer belastet und Schüler frustriert sind


Die Bildungskommission der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung gibt sich mit dem Ist-Zustand an deutschen Schulen nicht zufrieden. Sie verlangt eine völlige Neugestaltung der Unterrichtsinhalte. Zwischen der Lebenswelt der Schüler und dem üblichen, nach Schulfächern aufgeteilten Lernangebot bestehe eine tiefe Kluft, erklären die Experten der Kommission in ihrer neuen Empfehlung "Von Schlüsselkompetenzen zum Curriculum". Die Kommission aus namhaften Erziehungswissenschaftlern will das Papier auch als Beitrag zur aktuellen Debatte der Kultusminister um nationale Bildungsstandards und neue Lehrpläne verstanden wissen.

Die Schulforschung habe bewiesen, dass ein Kind nach dem Start in der Grundschule jedes Jahr ein Stück mehr Lernmotivation verliere, erklärte der Wissenschaftler Gerhard de Haan. Die Erwartungen der Schüler an ihre Schule, nämlich Nutzen für ihre Zukunft aus dem Unterricht zu ziehen oder Orientierung und Zufriedenheit mit ihrem Leben zu finden, würden nur selten erfüllt. Die Folge: belastete Lehrer und frustrierte Schüler.

Als Hauptproblem machen die Wissenschaftler die in Deutschland noch immer verbreitete starke Orientierung der Lerninhalte an klassischen Fächerstrukturen verantwortlich. Statt des puren Paukens von Faktenwissen müssten Zukunftsthemen wie Bauen und Wohnen, Verkehr, Mobilität, Landwirtschaft und Ernährung fachübergreifend in Projekten vermittelt werden, forderte de Haan.

Der Bildungsforscher Wolfgang Edelstein, Ex-Direktor am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, kritisierte die Weigerung der deutschen Kultusminister, nach dem miserablen Pisa-Abschneiden die Strukturfrage des deutschen Schulsystems zu diskutieren. Mit seinem dreigliedrigen Schulsystem und der frühen Auslese der Kinder bereits nach der vierten Grundschulklasse auf die verschiedenen Schulformen sei Deutschland "weltweit isoliert". dpa

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Dokument erstellt am 22.07.2003 um 15:54:49 Uhr
Erscheinungsdatum 23.07.2003