Regeln einhalten, Disziplin lernen:
Während an den amerikanischen
Schulen private Securitys nach Recht und Ordnung sehen, setzt man in Deutschland auf Freiwilligkeit.
Respekt & Co heißt eine Initiative aus dem Saarland, die Schülern Benehmen beibringen will. Mitunter bringt freilich nur die Hausordnung Unruhestifter zur Räson.

Bitte recht freundlich
Frankfurter Rundschau: Herr Minister, Sie haben für Aufsehen gesorgt, als Sie Benimmregeln für den Schulunterricht einführen wollten. Das hat zu vehementer Ablehnung wie auch zu jubelnder Zustimmung geführt. Kommt der neue "Schul-Knigge" aus dem Saarland und heißt künftig "Der Schreier". Jürgen Schreier: Wer so fragt transportiert schon ein falsches Vorständnis. Es sollen keine Benimmregeln eingepaukt werden. Das ist vollkommen falsch. Wir machen schließlich keine Tanzschule. Wir wollen vielmehr das Ende der Unhöflichkeit einläuten und Formen wieder entdecken, die keineswegs schädlich sind für unsere Gesellschaft und den Umgang miteinander. Was ist dabei, wenn ein Schüler mit der Frage konfrontiert wird, ob er für Senioren im Bus noch aufsteht und sich dann künftig entsprechend verhält. Es geht eigentlich um Selbstverständliches. Das bundesweite Echo hat mich schon überrascht. Sind denn die Schüler im Saarland so ausgesprochen undiszipliniert und so schlecht erzogen. Einfach gefragt: Gibt es an der Saar mehr Rowdies und Rabauken? Keineswegs! Die Schüler an der Saar sind nicht anders als in Bayern oder Mecklenburg-Vorpommern auch. Aber das Phänomen ist überall gleich. Lehrer kennen doch die Schüler zuhauf, die zu spät kommen, die Klassenzimmertür aufreißen, sich wortlos auf den Platz drücken, ihre Tasche hinwerfen, sich hinlümmeln und sofort beginnen den Unterricht zu stören. In solcher Situation darf man doch wohl Grundsätzliches, wie einen halbwegs respektvollen Umgang miteinander, in der Klasse diskutieren. Das beginnt dann mit dem Anklopfen. Da sind Regeln für ein zivilisiertes Miteinander wohl angebracht. Schließlich hat die Schule einen doppelten Auftrag - Bildung und Erziehung. Sind die Eltern so schlecht geworden in der Erziehung? Müßte der Benimm-Unterricht nicht eigentlich bei den Eltern ansetzen? Natürlich gibt es Elternhäuser, die solchen Entwicklungen nicht entgegenwirken, weil sie es nicht können, nicht wollen oder sich überfordert fühlen. Aber ich glaube, es ist Grundsätzlicher. Wir hatten mit den 68ern auch die Phase der antiautoritären Erziehung und eines großen generellen Missverständnisses. Denn antiautoritär hieß nie regellos, bedeutete nie den Verzicht auf jedwede Umgangsformen. Die schaden doch nicht, sondern erleichtern das menschliche Miteinander, verhindern manchmal sogar unnötige Konflikte und Ablehnung, schaffen Respekt. Wer zum Vorstellungsgespräch bei einer Bank in zerschlissenen Jeans geht, dem muss klar sein, dass er schlechtere Chancen hat als ein Mitbewerber, der in Umgangsformen geübt ist. Sind die Saarländer künftig die besser ausgebildeten Schüler, höflicher und stilvoller im Umgang als andere im übrigen Bundesgebiet. Sind Saarländer künftig Mitarbeiter wie Chefs sie sich wünschen? Wir haben das Thema nicht für die Chefs entdeckt. Wir haben nur eine Notwendigkeit gesehen, die anderswo längst erkannt worden ist. Manchmal nennt sich das Verschlechterung des Lernklimas und meint oft nichts anderes als Disziplinlosigkeit aus Mangel an Umgangsformen. Ich bin mir fast sicher, dass diese Anregung auch in SPD-regierten Ländern aufgegriffen wird. Das ist auch mit unserem Ansatz G 8, dem Gymnasium in acht Jahren geschehen. Das passiert mit der Elite- Diskussion, die sich auch einem 68er Tabu-Begriff überraschend neu sogar aus dem SPD-Lager annähert. Bei so vielen Nachahmern - Schreier also doch künftig der Benimm- Papst der Republik? Noch einmal: Rücksichtnahme, Achtung, Takt und Benehmen, auch Pünklichtkeit und Verlässlichkeit sind für mich Bestandteil einer guten Bildung und des gesellschaftlichen Umgangs miteinander. Wir wollen gute Bildung vermitteln. Wobei Wissen und Bildung nicht isoliert bleiben. Wenn andere das auch tun, ist uns das Recht.
Interview: Michael Grabenströer